Loulé - Algeciras
Straßenschild in Arabisch und Tifinagh, der Schrift der Amazigh (Berber). Tifinagh stammt von einer sehr alten nordafrikanischen Schrift ab, die bereits in der Antike von den Vorfahren der Berber verwendet wurde und bis heute von den Tuareg bewahrt blieb. In Marokko wurde die modernisierte Form, Neo-Tifinagh, 2011 mit der neuen Verfassung offiziell anerkannt und wird seither im öffentlichen Raum genutzt.
Donnerstag 28.01.2026: Loulé - Los Barrios - Algeciras (alt 17 m): 403 km - das Wetter war durchgehend schlimm: stürmisch, Regen, alles was man sich vorstellen kann 15ºC
Abfahrt um 11 Uhr. Schon ab Sevilla wurde die Fahrt stressig – ein heftiger Sturm begleitete uns und machte das Vorankommen mühsam. Dazu kamen ein paar eher unnötige Umwege, zum Beispiel über Palacios y Villafranca. Klingt nett, nicht wahr? War es leider gar nicht. Eigentlich wollten wir dort zu Mittag essen, doch die Stadt versank im völligen Chaos. Also: weiterfahren.
In Jerez de la Frontera stand günstiges Tanken auf dem Plan. Ich hatte sogar eine gute Tankstelle ausfindig gemacht – allerdings ohne den langen, zeitraubenden Weg quer durch die Stadt einzukalkulieren. Da platzte meinem Mann endgültig der Kragen: zu weit, zu umständlich. Also wieder weiter.
Auch an einem Rastplatz hatten wir kein Glück – kein freier Platz, nicht einmal für eine kurze Pause. Also fuhren wir weiter und aßen irgendwann an einem anderen Rastplatz nur schnell einen Joghurt, während wir Kilometer um Kilometer zurücklegten. Langsam wurde uns auch klar, warum überall so viele LKWs standen: Wegen des Wetters fuhren an diesem Tag keine Fähren.
Erst kurz vor Algeciras, genauer gesagt in Los Barrios, der Industriezone, machten wir Stopp. Dort steuerten wir denselben Laden an, in dem wir vor 16 Jahren schon einmal unser Fährticket gekauft hatten. Damals war alles entspannt und gemütlich – diesmal fühlte es sich eher an, als gäbe es ein riesiges Super-Sonderangebot. Vier Arbeitsplätze und die Leute standen Schlange bis auf die Straße.
Und tatsächlich: Unser persönliches Super-duper-Angebot! Statt der üblichen rund 250 € zahlten wir nur 130 € für Hin- und Rückfahrt mit DFDS Iberia, Tanger Express - Red Fish Speedlines. Nun steht alles fest: Unsere Fähre fährt morgen um 9 Uhr. Das heißt früh aufstehen, denn wir müssen 1,5 Stunden vorher im Hafen sein. Der Check-in ist immerhin schon erledigt.
Aber hier in Los Barrios gibt es ein Taco Bell! Da hat sich Volker gefreut! So war unser "Almojantar" erledigt.
Fahrt zu einem Parkplatz in Hafennähe. Es handelt sich um einen unbefestigten Erdplatz mit einer recht engen Zufahrt – besonders dann, wenn auf der gegenüberliegenden Straßenseite Autos parken. 36.1455ºN 5.4478ºW
Freitag 29.01.2026: Algeciras - Tanger Med - Asilah (alt 3 m): 95 km - teilweise sogar ein wenig Sonne, aber wieder stürmisch nachmittags 17ºC
Um 6 Uhr klingelte der Wecker. Total groggy.
Unser erster Plan war, noch vor der Fähre AdBlue zu tanken – doch die Tankstelle, die wir uns ausgesucht hatten, war noch geschlossen. Also weiter zur nächsten: Dort gab es zwar eine entsprechende Säule, aber sie war außer Betrieb! Immerhin als Reserve fanden wir eine pragmatische Lösung und kauften einen 20-Liter-Kanister mit Schlauch.
Um 7:15 Uhr kamen wir am Hafen an, und dank Online-Check-in lief alles völlig problemlos. Die Abfahrt verzögerte sich allerdings: Statt um 9 Uhr legte die Fähre erst um 10:15 Uhr ab. Vor der Abfahrt mussten die Pässe noch an Bord von der marokkanischen Behörde abgestempelt werden. Auffällig war jedenfalls, wie leer die Fähre war: viele LKWs, erstaunlich viele Wohnmobile, aber sonst wenig Passagiere.
Bei der Ankunft in Tanger Med folgte eine gründliche Kontrolle – inklusive Durchleuchtung für alle. Offenbar werden Waffen und Chemikalien zur Drogenherstellung häufig nach Marokko geschmuggelt, weshalb man hier sehr genau hinschaut. Aber das Ganze lief ja sehr langsam. Nachdem wir aus der Fähre rausgefahren sind, hat das nochmal 1:15 Stunden gedauert. Wir haben Glück beim Zoll gehabt. Wir haben gesehen, wie Autos alles rausnehmen mussten! Insgesamt haben wir 7 Stunden für die Überfahrt gebraucht. Auf jeden Fall ist das nicht mehr so chaotisch wie vor 16 Jahren.
Danach ging es bei wieder stürmischem Wetter weiter nach Asilah. Diesmal übernachteten wir auf einem Parkplatz, der ganz auf Wohnmobile eingestellt ist – ideal für eine Nacht (80 MAD pro Nacht). Die Wächter begrüßten uns herzlich und hofften natürlich gleich auf ein Bier oder einen Whisky .
Ich war so müde, dass nach unseren leckeren Edamame-Spaghetti mit einem feinen Glas Fino erst einmal eine Siesta nötig war. Volker machte noch einen kurzen Spaziergang durch die Altstadt, doch das Wetter zeigte sich wenig einladend. Morgen soll es schöner werden – dann erkunden wir Asilah in Ruhe.
35.46722, −6.03667
Samstag 30.01.2026: Asilah - Larache (alt 10 m): 44 km - schönes Wetter 18ºC
ASILAH
Heute hatten wir Glück – das Wetter zeigte sich von seiner allerbesten Seite. Wir starteten mit der Besichtigung von Asilah, vor allem der Medina, die hier gleich um die Ecke bei uns ist. Was sofort ins Auge fällt: überall Katzen – wirklich an jeder Ecke. Und süüüüß. Nur Volker ist genervt.
Weiter zum Markt, wo wir unsere ersten marokkanischen Oliven kauften. Und ich kann es gleich sagen: es sind die besten Oliven der Welt! Eine Pause mit Blick aufs Meer im Café-Restaurant Daya. Zum Mittagessen kehrten wir im Restaurant Dar Al Maghrebia ein, ein gehobeneres Restaurant, und genossen unsere erste Tajine hier in Marokko – sehr lecker. Asilah ist ein angenehme Stadt, wo wir gerne wieder zurückkehren können.
LARACHE
Es fiel uns schwer, Asilah zu verlassen, doch wir wollten zügig weiter Richtung Süden. Also ging es nach Larache, wo wir auf einem Parkplatz direkt unterhalb des Fort Al Kabibat standen. Dieser wird zurzeit renoviert. Von dort oben gelangten wir zu mehreren netten Café mit Aussicht und anschließend direkt in die Medina. Diese zeigte sich allerdings noch sehr ursprünglich und traditionell – so sehr, dass Volker sich dort nicht wirklich wohl fühlte. Wir haben da keine Touristen gesehen, aber die Medina ist sehr groß!
Wir gingen weiter zur Place de la Liberté, dann hinunter zum Meer und entlang der Corniche.
Julia lernte unterwegs zwei Mädchen von 11 und 12 Jahren kennen – neugierig, offen und unglaublich interessiert. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, so gut es ging: halb Französisch, halb Spanisch. Englisch konnten sie nicht, aber das spielte keine Rolle.
Am Abend erwachte die Stadt dann richtig zum Leben. Auf den Plätzen leuchteten die vermieteten Kinderfahrzeuge bunt auf, und die Menschen strömten aus ihren Häusern. Überall gab es há caracois, Kichererbsen – und wir gönnten uns Crêpes, die direkt bei uns um die Ecke frisch zubereitet wurden. Sie waren köstlich! Das haben sie hier eindeutig den Franzosen zu verdanken, auch wenn die Region historisch eher von den Spaniern geprägt wurde (1911–1956). 35.1995ºN 6.1521ºW
LOS BARRIOS, SPANIEN
| Volker bestellt Tacos bei TacoBell - nicht ganz so einfach! |
Tanger MED: Bei der Ankunft wird alles durchleuchtet – der LKW-Fahrer mit Röntgen- und Gamma-Gerät fährt dabei den ganzen Tag nur vor und zurück.
ASILAH
| Asilah Parkplatz |